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Butoh-Festival_2. + 3.12_Kulturmanagement_rogeart

28. November 2009

Foto Ulrich Heemann

50 Years Of Butoh
1959-2009

50 Years Of Butoh

1959-2009

wir möchte Sie zur Premiere am 2 + 3. Dezember 2009 zu Butoh-Performance im Radialsystem V einladen.  Zum fünfzigjährigen Jubiläum des Butoh-Tanzes präsentieren drei in Berlin ansässigen Butohtänzer, Yuko Kaseki, Minako Seki und Irma Thormann ihre Arbeiten. Noch nach 50 Jahren ist der Butohtanz für viele Menschen ein Mysterium, ein Geheimnis. Unbewusste Vorgänge sichtbar zu machen, die Seele des Menschen nach außen zu kehren.

1. Butoh ist eine darstellende Kunstrichtung, die weltweit bewegt. Berlin ist seit den Achtziger Jahren eine der Zentren dieser Kunstrichtung.

2. Butoh ist geistiger Tanz.

Information über die Jubiläumstage im Internet www.butohdance.org

50 Years Of Butoh – 1959-2009 BUTOH BERLIN IM RADIALSYSTEM V
29.11.2009 – Symposium im K-Salon,18:00 Uhr
Symposium “50 Years Of Butoh – Ein Anfang”

Mittwoch, 2. Dezember, 20:00 Uhr

Yuko Kaseki (Solo) „Unspelled“, Piano: Antonis Anissegos, Uraufführung
Imre Thormann (Solo) „Voyager“, Klarinette: Dr. Döring


Donnerstag, 3. Dezember, 20:00 Uhr

Minako Seki „Second Sleep“, Uraufführung, mit Minako Seki (Tanz),
Willem Schulz (Cello, Performance), Chan Sook Choi (Videoinstallation)

Place: Place Symposium:
Radialsystem V K-Salon
Holzmarktstr. 33 Bergmannstr. 54
10243 Berlin Berlin Kreuzberg
Beim Ostbahnhof U7, U-Bhf Südstern

www.k-salon.de

Tel. 030.61299100

Kartenreservierung:
www.radialsystem.de
030-288788588


Eintrittspreise:
18,- Euro, erm. 14,-
Kombiticket für beide Tage: 30,-Euro, erm. 22,-Euro
Symposium Eintritt frei

Im Rahmen des Kulturmanagementkurses erarbeitete ich,  Susann Roge rogeart culturedance, einen Teil der Pressearbeit für dieses Festival. Im Stadtmagazin zitty der Ausgabe vom 19.11.2009 konnten wir einen Artikel durch die Pressemitteilung und den Kontakt zu Herrn Teicke erreichen. Durch weitere Pressemitteilungen und Gespräche zu anderen Einrichtungen, wie die Udk Berlin und die Japanischen Botschaft schaffte ich die Veranstaltung auf deren Websiten zu positionieren. Ich freue mich nach den Veranstaltungen Ihnen einen Bericht oder eine Resenzion über das Butoh Geschehen zu schreiben und Ihen hier zu Verfügung zu stellen.

Anbei ein paar weitere  Informationen über Butoh und  einigen der Künstler:

Mit einem Paukenschlag im Mai 1959 erschütterte Tatsumi Hijikata die Kunstwelt Japans. Das Stück kinjiki (verbotene Farben), basierend auf einer Geschichte von Yukio Mishima, war nicht einmaliger Skandal, sondern Geburtsstunde des Butohtanzes, der auch in seinem 50.Lebensjahr weiter seine Kreise um die Welt zieht und die Menschen fasziniert. Denn Butoh ist eine sehr ungewöhnliche Tanzrichtung. Begriffe wie „Tanz der Seele“, „Tanz der Dunkelheit“ oder „Rebellion des Körpers“ werden ihm gleichgesetzt. Beide Abende im Radialsystem zeigen die Tanzform in ihrer Vielseitigkeit und ihrer Aktualität. Am besten ist dieser Stil heute wohl als Gewebe zeitgenössischer okzidentaler und orientaler Tanz- und Performancekultur zu verstehen, wobei jeder Butohtänzer selbst seine Form entwickelt und seine eigenen kulturellen und persönlichen Hintergründe in den Tanz einbringt.

Texte von Nils Willers und Daniela Schmidtke

BUTOH
Butoh ist eine Form, die zwischen Theater und Tanz verortet werden kann. Ausgangspunkt des Tanzes ist die Metamorphose: Der Tänzer interpretiert nicht, sondern „ist“; er generiert einen Seins-Zustand aus seinen Erinnerungen, Träumen und den kulturellen Einschreibungen seines Körpers. Ähnlich wie die deutschen Tänzer Valeska Gert, Harald Kreutzberg oder Mary Wigman in der Vorkriegszeit, vollzieht der Butoh-Tänzer den Bruch mit den rationalen Prinzipien der Moderne. Er versucht stattdessen, einen anderen Begriff, ein anderes Erleben zum Ausdruck zu bringen und erklärt Butoh somit zu einem zeitgenössischen Theater des Widerstandes gegen die
moderne Gesellschaft, das in den Spuren des alten Japans liest und gleichzeitig weltumspannend und kulturübergreifend zu uns spricht. Butoh ist ein Tanztheater von meditativer Zartheit bis zur exzessiven Groteske. Es bedient sich zwar unterschiedlicher Tanz – und Ausdrucksformen, wie z.B. dem NO-Theater, Flamenco oder Capoeira, jedoch erst der ganze Tänzer mit seiner Seele, seinen Träumen, seinen Erinnerungen und seinem Körper entwickelt die Tanztechnik. Die Vorstellungskraft des Tänzers spielt dabei eine wesentliche Rolle, sein Körper wird von seinen Imaginationen bewegt, geführt und entführt uns mit seinen Energien ins Labyrinth der eigenen Seele.

Butoh wurde 1959 von Tatsumi Hijikata in Japan gegründet. Weltweit verbreitet wurde Butoh jedoch durch die Compagnie Dairakudakan , gegründet 1972 von Akaji Maro. Als sich Dairakudakan auflöste, verstreuten sich ihre Tänzer – also die 2. Generation – weltweit und gründeten eigene Compagnien: Ariadone (Carlotta Ikeda und Ko MUROBUSHI), Dance Love Machine (Tetsuro TAMURA und Anzu FURUKAWA) und Sankaiyuko (Ushio AMAGATSU). Ab Ende der achtziger Jahre bildeten sich immer mehr Butohgruppen, die nicht mehr aus japanischen Tänzern bestanden. Auch japanische Choreographen griffen immer mehr auf nichtjapanische Tänzer zurück. Dadurch erweiterte sich das Spektrum in Stil, Ausdruck und Inhalt. Besonders in Südamerika wie Mexiko, Argentinien, Brasilien und Chile sowie in den USA, England, Frankreich und Skandinavien gründeten sich bis heute sehr viele Butohensembles. Heute gibt es kaum ein Land, in dem Butoh nicht existiert.

Butoh Berlin

In Berlin ist Butoh seit den 80iger Jahren durch „tatoeba Danse Grotesque“ mit Minako Seki und Yumiko Yoshioka bekannt. 1986 fand im Künstlerhaus Bethanien das erste Butohfestival in Europa statt. Heute ist Butoh hauptsächlich durch Yuko Kaseki, Minako Seki und Imre Thormann in Berlin vertreten und damit gehört Berlin immer noch weltweit zu einem derZentren des Butoh.

Tatsumi Hijikata
Der Tänzer und Schriftsteller Tatsumi Hijikata (1928 – 1986) war die zentrale Figur des Butohtanzes und der japanischen Avantgarde der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts; er hatte nicht nur immensen Einfluss auf die Avantgarde des Tanzes und auf das japanische Undergroundtheater (Angura), sondern er war intellektuelles und produktives Zentrum eines Kreises von Theaterleuten, Schriftstellern, Literaturwissenschaftlern, Musikern und Künstlern, der in dieser Zeit die japanische Avantgarde anführte.

Ausgebildet in Modern Dance und Ausdruckstanz brach er 1959 radikal mit der westlichen Tradition des modernen Tanzes, um einen zeitgenössischen, genuin japanischen Tanz zu entwickeln, den er Ankoku Butoh nannte, Tanz der Dunkelheit. Hijikata wandte sich von fast allen Konventionen des Tanzes ab, er verstand den Körper des Tänzers nicht mehr als abstraktes Instrument oder Werkzeug ästhetischer Figuration, sondern versuchte, im Körper tiefe, dunkle, unzugängliche Schichten zur Erscheinung zu bringen, die sich in diesen Körper eingeschrieben und ihn geprägt haben. Diese unbewussten Spuren werden vom Tänzer heraufbeschworen mit Hilfe von Techniken, die die Kontrolle des Bewusstseins über den Körper ausschalten. In den ersten Jahren bis 1970 war Butoh demnach eine jener Kunstformen, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, um radikal die bisher bestehenden Verhältnisse anzuzweifeln und damit vergleichbar mit andern Kunstformen wie Fluxus und Happening, d.h. dem Wiener Aktionismus, insbesondere von Günter Brus, den frühen Aktionen von Joseph Beuys in Europa sowie den Aufführungen des Living Theaters in New York. Ankoku Butoh überragt diese verwandten Bewegungen jedoch in Radikalität und Strenge.
In der zweiten Phase ab 1970 machte Hijikata mit seiner „Rebellion des Körpers“ aus Butoh eine eigene Form: Die Stücke standen nun in Bezug zu seiner eigenen Lebenssituation, seinen eigenen Erinnerung – persönlichen Bezügen, die tief im spezifisch japanischen wurzelten – und basierten nicht mehr wie zuvor auf Texten von u.a. Mishima, Genet, de Sade oder Lautreament. Auf der Bühne ging es nicht mehr darum, etwas zu interpretieren, sondern etwas zu sein. Mit der neuen Form strebte er an, den Körper über seine Belastbarkeit hinaus zu treiben, physische und psychische Grenzen zu überwinden. Er kehrte somit die Werte des vom Ballett beeinflussten modernen Tanzes in ihr Gegenteil. Themen waren nun u.a. das Wesen der Natur, Zustände, Raum und Zeit. Er ließ mit seinem Tanz die dunklen Seiten der menschlichen Existenz aufscheinen. Mit der damals noch unbekannten Yoko Ashikawa entwickelte er Ganimata (Säbelbeine), eine Gangtechnik, die zu einer der Grundpositionen seines neuen Butoh wurde, angelehnt an die von der Arbeit geformten Körper der traditionellen Reisbauern in seiner Heimat Tohoku und der Zeit vor dem Krieg. Während im klassischen Ballet der Spitzentanz den Körper erhöht; Leichtigkeit, die Aufhebung der Gravitation suggeriert, vermittelt sich im Ganimata genau das Gegenteil. Die Gliedmaßen scheinen verkürzt, man wird kleiner, geht wie verkrüppelt. Das Gewicht, der Kontakt zum Boden wird offenbar. Genau diese Umkehrung der Werte des traditionell westlichen Tanzes war Ziel Hijikatas, “it is on the ground that I dance”. In der Zusammenarbeit mit Yoko Ashikawa und der von ihnen gegründeten Gruppe Hakuto-boh entwickelte Hijikata das heute bekannte Butoh-Bewegungsvokabular des klassischen Butohstils.

Minako Seki (Berlin)
ist in Tomitsu/ Nagasaki geboren und gehört zur dritten Generation der Butoh-Tänzer. Sie begegnet dem modernen, japanischen Theater zuerst 1983-85 beim Schauspielensemble KSEC in Nagoya/Japan. Ab 1985 tanzt sie in Tokio bei der Butoh-Dance-Company „DanceLoveMachine”, die von Tetsuro Tamura geleitet wird und mit der sie 1986 auf Einladung des Künstlerhauses Bethanien/ Berlin auf Europatournee geht. Sie bleibt in Berlin und gründet 1987 zusammen mit Yumiko Yoshioka und Delta Ra’i das erste deutsch-japanische Butoh-Ensemble „tatoeba-Theatre Danse Grotesque”. Seit 1996 arbeitet sie als Tänzerin, Regisseurin und Choreographin unter eigenem Namen. Dabei sucht sie immer mehr die Auseinandersetzung in kunstübergreifenden Projekten, so z.B. choreographierte sie die Oper “Endlösung” von Peter Michael Hamel oder arbeitete mit dem Lichtmaler und Projektionsdesigner Gustav Gisiger zusammen.

Minako Seki gewann unter anderem den Preis für „Das beste Tanzsolo“ beim Festival für zeitgenössisches Theater der „euroscene” in Leipzig, 2001 wurde sie mit ihrem Stück „Schicht” für den Kurt-Jooss-Preis nominiert. 2002 choreographierte und tanzte sie bei adapt mit „Glass Anatomies” in der Staatsbank Berlin und führte Regie für „Ein schöner Tag” mit Schiller beim Grand Prix Vorausscheid. Ihre Produktion „Borderless Split Brain“ wurde vom Hauptstadtkulturfonds gefördet und im April 2005 in Berlin uraufgeführt. „Dancing Between“ ist ein besonderes Solo-Projekt von Minako Seki. Zunächst für ein Trio (mit Yuko Kaseki und Anita Barros Moreira, 2002) konzipiert, führt sie es seit 2003 solistisch auf und entwickelt es kontinuierlich weiter. Im Januar 2008 startete auch das Projekt “Kosmos in Movement” (K.I.M.) – World Wide School Of Moving Arts, das Minako Seki zusammen mit Elias Cohen (Chile) entwickelt hat. Ihren tänzerischen Stil nennt Minako Seki Dancing Between. Dieser basiert auf Butoh und ist stark vom Physical Theatre beeinflusst. Ihre Stücke versuchen verschiedene Kunstformen in der Live-Realisation zusammenzubringen. Inhaltlich beschäftigen sich die Stücke mit menschlichen Potentialen, die zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein liegen, also mit unterschiedlichen Perspektiven menschlicher Wahrnehmung und Interaktion (Interaktion zwischen Innen- und Außenwelt), im verborgenen liegenden Handlungsmustern und emotionalen Zuständen.

Author: Roge - verfasst am 28. November 2009.