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multimediales Bildertheater rogeart: Projekt 2010/11

28. November 2009

Foto Yüksel Hayirli

PARADOXONmensch

Planung eines interdisziplinären Projektes, das seine Uraufführung im Radialsystem V anstrebt. Zurzeit steht eine Projektanfrage als Vorpremiere im Rahmen der 20. Internationalen Tanztage in der fabrik Potsdam im Mai 2010 aus.

Das Projekt soll ein spartenübergreifendes Kunstwerk werden. Eine Art Ausstellung der vier Kunstsprachen, die sich in einander verweben und eine Ganzheit bilden. Es ist ein internationales Projekt, welches Grenzen überwinden möchte. Das Thema Macht, Schutz und Bedrohung, wird im Zusammenhang von Raum und Bewegung verdeutlicht. Viele Künstler arbeiten an einem gemeinsamen Kunstwerk. Zwei wichtige Ansätze verfolgen wir.

  1. demokratisches Zusammenarbeiten
  2. räumliche Aufhebung zwischen Bühne und Zuschauerraum

Durch die Aufhebung der Frontalbühne schaffen wir eine Vernetzung und Verständigung zwischen Zuschauern und Akteuren (alle befinden sich auf gleicher Ebene). Gewalt, Krieg und Streit entsteht immer aus den „Störgefühlen“ Neid, Eifersucht, Hass, Anhaftung und Begierde. Allerdings sind dies Gefühle, die wir alle, in unterschiedlichen Stärken, kennen. Das Stück PARADOXONmensch behandelt diese Gefühle.

Unser oberstes Prinzip ist die gleichberechtigte Zusammenarbeit aller Künstler, die die Emotionen auditiv, visuell und taktil erfahrbar machen. Kann man diese negativen Gefühle zum Positiven wenden? Wenn wir diese Energien erkennen und mit ihnen anders umgehen, können sie zu Weisheiten werden.

Ziel ist es mit dem Projekt die Performance-Kunst für ein größeres Publikum zu sensibilisieren und junge Menschen für Theater, Kunst und Kultur zu begeistern. Der partizipierende Aspekt ist hier sehr wichtig. Weg von den Medien TV und Internet, zurück zum Erlebnis im realen Raumgefüge.

Schon in den 30er Jahren war es den Psychologen bewusst, dass die Haut, die Körperhülle, die Grenze zwischen der Welt, dem Außen und uns, dem Inneren ist.

Isolation verursacht Krankheiten wie Klaustrophilie (die Liebe in geschlossenen Räumen) und Klaustrophobie (die Angst in geschlossenen Räumen). Der so entstehende Rückkoppelungseffekt kann zu persönlichen und gesellschaftlichen Katastrophen führen. Wie kommt man wieder da raus? Dies kann nur geschehen, wenn wir unsere eigenen Mauern sprengen. Mut ist eine Vorraussetzung auf der Seite der Verletzten und Geduld und Liebe auf der der Zuhörer oder Mitmenschen.

Das Stück will die Möglichkeit aufzeigen, diesen Schutzraum wieder zu aktivieren, sich aus den Zwängen zu befreien. Mit Hilfe von allen kann eine neue Hülle aufgebaut werden, die Geborgenheit und Schutz verleiht. Licht, Sound, Körperbewegung zeichnen und formen die imaginäre neue positive Hülle.

Kernteam

  1. Susann Roge, Autorin und Kuratorin
  2. Julia Edling, Assistenz und Dramaturgie
  3. berlin acts Kultur PR, Ruth Hundsdoerfer, Presse
  4. Minako Seki, Choreographie
  5. Kan Katsura, Solotanz
  6. Helmut Mittermaier, Komposition
  7. Satoshi Morita, Bühne
  8. Karen Simon, Kostüm
  9. Ran Nahmias, Video

angestrebte Aufführungsorte

  1. „fabrik Potsdam“ (Voraufführung im Mai 2010)
  2. „Radialsystem V“ Berlin (Uraufführung im August/September 2010)
  3. „Movimento“ Wolfsburg (Spezialaufführung VW)
  4. Festspielhaus Dresden – Hellerau
  5. und weitere im Ausland, Suche in Ungarn, Israel und Japan

Vita der Künstler

Susann Roge, Kuratorin und Autorin von PARADOXONmensch

geboren 1969 in Wolfsburg. Zurzeit Kulturmanagement an der BEST Sabel, Berlin. Diplom im Fach Gestaltung mit Schwerpunkt Architektur der UDK Berlin, Thema: Umbau eines Hochbunkers in Berlin zum Licht-Klang- und Bewegungstheater, Nominierung zum Max-Taut Preis 1998. Ausbildung zur Kulissen- und Theatermalerin am Schillertheater Berlin. Seit 2009 eingeschriebene Bildende Künstlerin im bbk, seit 1999 Freie Filmschaffende im Bereich Szenebild Film und Fernsehen. Wichtigste Projekte: Preis der Berlinale Kinderkurzfilmfestival „Ballet ist ausgefallen“, Koproduktion SWR und Arte, Szenenbild: Susann Roge, Regie: Anne Wild, Jost Hering Film Produktion Internationaler Kinofilm, Zaltman Film ltd, Kino Film „Spy Game“. Mitarbeit an Bühnenbildern von Regie: Robert Wilson, Katharina Thalbach, Alfred Kirchner, Alexander Lang, Florian Kruck, Bühne: Enzio Toffolutti, Marcel Keller, Franz Koppendorfer. Multimediales Projekt 1998 „Raum 5+1 Tanz“ Konzept, Regie und Bühnenbild. Modellbau, Raumgestaltung 1: 10 Modelle, Museumsinsel, David Chipperfield Berlin.  Eigene Performance bei der magistrale 2008, Performancemitglied bei Tatsumi Orimoto, PUNISHMENT, DNA Galerie, Berlin Mitte. PARADOXON Part 1 + 2, Kunstsalon tmp/cinqdemi und Part 3 Kunstsalon Ke-Hei von Minako Seki.

Julia Edling, Assistentin und Dramaturgin

Geboren 1982 in Worms/Rheinland – Pfalz. Studium Germanistik und Anglistik/Amerikanistik an der Universität Mannheim. Zurzeit Kulturmanagement an der Hochschule BEST Sabel Berlin. Angestellte Regieassistentin bei den Westfälischen Kammerspielen Paderborn. Mitarbeit in den Bereichen Regie, Dramaturgie und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei: Nibelungen Festspiele Worms, Stage Entertainment Hamburg, Nationaltheater Mannheim, Wuppertaler Bühnen und mehreren freien Projekten.

Minako Seki, Performerin und Choreografin

Geboren in Tomitsu/ Nagasaki. Gehört zur dritten Generation der Butoh-Tänzer. Sie begegnet dem modernen, japanischen Theater zuerst 1983-85 beim Schauspielensemble KSEC in Nagoya/Japan. Ab 1985 tanzt sie in Tokio bei der Butoh-Dance-Company „DanceLoveMachine”, die von Tetsuro Tamura geleitet wird und mit der sie 1986 auf Einladung des Künstlerhauses Bethanien/ Berlin auf Europatournee geht. Sie bleibt in Berlin und gründet 1987 zusammen mit Yumiko Yoshioka und Delta Ra’i das erste deutsch-japanische Butoh-Ensemble „tatoeba-Theatre Danse Grotesque”. In „tatoeba” vereinigen sich die Butohstile von DanceLoveMachine”, deren Mitglieder unter dem großen Thema „Mensch sein“ nach neuen Formen suchten, und „Ariadone”, ein reines Frauenensemble, das sich eher dem klassischen Stil zuordnete und dem Yumiko Yoshioka angehörte. Minako Seki prägt diesen Stil, der unter anderem von den schlummernden Potentialen des Menschen geprägt ist, in über 50 Inszenierungen als Tänzerin, Choreographin und Regisseurin entscheidend mit. Die Stücke von „tatoeba“ wurden regelmäßig vom Senat gefördert und sowohl national als auch international aufgeführt. Seit 1996 verstärkt sie ihre Arbeit als Regisseurin und Choreographin.

Kan Katsura, Soloperformer und Choreograph

Geboren 1948 in Kyoto. Butoh Meister aus Japans erster Butoh-Generation. 1979-1981 ist er mit der wegweisenden Butohgruppe „Byakkosha” aufgetreten, bekannt für ihre Strenge und Integrität, statt für theatralischen Glanz, wie bei manch anderer Gruppe. Hochgepriesener Solo-  und Gruppenperformer, sowie Choreograf. Zusätzlich zu seinem schöpferischen Werk in kosmopolitischer Kultur hat Kan während der letzten 28 Jahre mit „Minoritätentänzern“, wie er es nennt, aus der ganzen Welt zusammengearbeitet, in abgelegenen Gegenden in ganz Afrika, Europa und Südostasien. San Francisco Butoh Festival 2001 “Curious Fish” uraufgeführt, hat eine 5-Sterne -Bewertung beim Edinburgh Fringe Festival erhalten. 2007 “ELDERLY”-Projekt (Erforschung “Global BUTOH”) in Großbritannien.

Helmut Mittermaier, Komponist

Musiker, Komponist, Produzent, Hörspielautor. Studium Master of Arts in Sound Studies an der Universität der Künste Berlin sowie Theater und Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Kompositionen, Klanginstallationen und andere Projekte Auswahl: „am Dienstag um neun sind die Erdbeeren reif” Hörspiel-Rauminstallation für 5 Anrufbeantworter 2008, Hörspielversion (SWR) der “..Erdbeeren..” Regie, Komposition, Text, 2009. “The Varanasi Tapes” 20 min Video- und Soundscape-Installation (2007). Filmmusiken für Kurzfilme und Soloperformances. Konzerte, Ausstellungen Auswahl: SUAL-Festival Wien(AU), MS Stubnitz Rotterdam(NL), Coventry(GB), Flevo(NL), St.Petersburg(RU), Asian Hot Shots Film Festival Berlin, Staatstheater Stuttgart, Landestheater Esslingen, Landestheater Neustrelitz, Universität der Künste Berlin, x-sounds Ballhaus Naunynstr. Berlin, Abgeordnetenhaus Berlin, Stadtgarten Köln(WDR Rockpalast) , Scala Ludwigsburg, Hörbar Hamburg, Grüner Salon Berlin, Dock 11 Berlin, Logo Hamburg, Tonne Dresden, Museum Judengasse Frankfurt/Main, Gewinner beim Nachwuchspreis ZDF, Theaterpreis Stuttgart (Publikumspreis).

Satoshi Morita, Klangkünstler

1974 in Tokio geboren. Er studierte Skulptur an der Tokyo Zokei University und schloss 1998 mit dem Bachelor of Arts mit Auszeichnung ab. Danach war er Gaststudent für Freie Kunst an der Kunstakademie Münster und machte 2008 seinen Master of Arts im Aufbaustudium Sound Studies an der UdK Berlin „Mein künstlerischer Schwerpunkt steht auf dem multisensorischen Klangerlebnis, das nicht nur unsere Hörsinne anspricht. Klang ist ein wunderbarer Schlüssel für komplexe Raumwahrnehmung, die durch Körpergefühl verdeutlicht werden kann. Meine Klanginstallation und Sonic Object (Klangobjekt) erzeugt eine Erlebnisbedingung, die mit multisensorischer Wahrnehmung gebunden sind. Um den Inhalt des „sonic experience“ zu gestalten, ist Field Recording (Feldklangaufnahme) eine geeignete Methode. Mit speziellen Mikrofonen und Aufnahmetechnik wird das Verhältnis zwischen dem Raum und Körper akustisch mitgeschnitten. Dieses Klangmaterial wird für entsprechende Präsentationsform bearbeitet“.

Karen Simon, Kostümbildnerin

Geboren 1972 in Erfurt. Diplom im Fach Bühnen- und Kostümbild der UDK Berlin, Stipendium des Studio Arte & Costume Roma, Bachelor of Fine Arts am California Institute of the Arts, Los Angeles.  Kostümassistenzen u.a. am Thalia Theater Hamburg bei Florence von Gerkan, Heide Kastler, Kathrin Frosch, David Sharir und Monika Jakobs. Eigene Arbeiten u.a. für das Schauspielhaus Leipzig, die Sophiensaele Berlin, das Thalia Theater Hamburg und die Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz (BSE, Johann Kresnik).

Ran Nahmias, Theremin

Geboren 1971 in Israel. Er studierte „Digitale Medien“ (an der „Camera obscura – school of arts“) in Tel Aviv und Antroposophie (am David Yellin – College in Jerusalem). Nach vierjähriger Lehrtätigkeit an seiner alten Universität in Tel Aviv war er als Art Director und Animator für verschiedene Firmen tätig. Nebenher arbeitete er an und für verschiedene Installationen und Ausstellungen. 2008 startet  er „A.N.A“ (Art-Net-Activist Project), ein Kollektiv für Gegenwartskunst, das den Nutzen von sozialen Netzwerken für eine mögliche Plattform für Kunst/Anti-Kunst-Aktivitäten untersucht. Ran Nahmias war in Berlin bereits zwei Mal bei der Magistrale, sowie bei der langen Nacht der Museen (zusammen mit Bärbel Hische und Dovrat ana Meron) zu erleben.

Dovrat ana Meron, Performer

1972 in Israel geboren, studierte sie Theaterregie, Schauspiel und Theaterpädagogik in ihrer Heimat. Heute lebt sie in Berlin und Venedig, und unterrichtet Performance Art, Bhuto und organische Bewegung. Dovrat arbeitet sowohl in konventionellen Theatern als auch in interdisziplinären Projekten und interkulturellen Veranstaltungen.

Marcio Carvalho, Performer

Geboren 1981 in Portugal, Master Equivalent – Abschluss 2006 an der “University of art and design (ESAD)” in Caldas da Rainha/ Portugal. Marcio war bereits an PARADOXON Teil 1+ Teil 2 beteiligt (UA 2008 in Berlin). Außerdem war er  2008 mit seiner eigenen Performance „100gr of religious respect“ auf der Berliner Magistrale zu Gast. Marcio arbeitet als Performer und Videokünstler in Berlin, Portugal und Belgien u.a.

Author: Roge - verfasst am 28. November 2009.